Das haben wir schon lange nicht mehr gemacht. Gaygames-Tagebuch. Letztes Mal waren es die Gaygames 2018 in Paris!
Als wir in Berlin am Montag losgeflogen sind, lag das wohl historisch heißeste Wochenende der Stadt hinter uns. Während die Berliner*innen nun eine kleine Erholungsphase bekamen, bewegten wir uns in die gaannnzzzz falsche Richtung – 30 Grad, strahlender Sonnenschein und mind. 200% Luftfeuchtigkeit. Und das Wetter bleibt über die ganze Woche gut – die Mauersegelnden fliegen hoch, wie unser mitreisender treuester Fan und Hobbyornithologe sachkundig feststellte. Dieses Erlebnis krönte seinen Tag, nachdem wir auf dem Grünzug in der Nähe der Akkreditierung zwei Wiedehopfende entdeckt und fotografiert haben. So, jetzt schon zwei Sätze ohne Genderstern geschrieben – jetzt reicht es aber!
Während es am Montag wohl noch turbulente beim Check-In zuging, haben wir unsere Badgets und tolle Gaygames Trinkflaschen am Dienstag gegen Mittag schnell und unkompliziert bekommen. Danach erstmal mit der glücklicherweise klimatisierten Metro Richtung Venue. Das Tanzen findet in einer Basketballhalle statt. Diese ist sehr groß, glücklicherweise klimatisiert und die Tanzfläche ist mit schwarzen Stoffwänden sowie Showtreppe angenehm eingebettet. Mehr Deko gibt es dann zwar schon nicht mehr, ist aber auch nicht weiter schlimm. Platz ist reichlich und die Umkleiden sind groß. Die paar Zuschauer*innen verlaufen sich zwar schon in der Halle, aber die Stimmung ist auch am Dienstag gut, dem Tag der Equality-Senioren (ja, wirklich nur Männer*) und der vielen anderen Turniere (Open, Tango-Argentino, American Rhythm und was es sonst noch so „Außergewöhnliches“ gibt).

Wir stellen erfreut fest: Die Musik macht Laune, der Zeitplan ist transparent und die Moderation professionell. Die sensibelste aller Tanzpartner*innen meckert auch nur ein kleines bisschen über den glatten Tanzboden, dann kann es also gar nicht so schlimm sein.
Einige Pinkis haben sich auch schon in der Halle eingefunden – Leon Strauß und Guido Gentes tanzen – wie immer bereits seit dem frühen Morgen – sie werden wohl bis Freitag durchtanzen. Wir sind schon jetzt beeindruckt.

Als wir wegen Mittag die Halle betreten, sehen wir als erstes einen strahlenden Guido mit Silbermedaille um den Hals. Diese haben die beiden in der B-Klasse Standard gewonnen und sind damit das viertbeste Paar der Equality-Senioren*-Welt. Herzlichen Glückwunsch. Am Nachmittag lief es in der Sichtungsrunde nicht ganz so gut für die beiden. Mit ein klein bisschen zu viel „Understatement“ werden sie nur in die C-Klasse gesichtet, die sie dann aber souverän gewinnen. Wenigsten haben wir Gelegenheit, sie im Finale ausgiebig anzufeuern.
Einen Ergebnislink findet ihr hier:
https://ifssda.org/gay-games-valencia/
Wir machen uns noch ein wenig nützlich und behängen die Halle mit Plakaten für das Queer Dance Camp 2026. Danach bewegen uns gegen 17:00 Uhr aus der Kühle der Halle in die Hitze der Stadt ins belebte und in diesen Tagen sehr queere Viertel Russafa. Dort erobern wir eine kleine Tapas Bar, deren Vorrat an Sprudelwasser die vertrockneteste aller Tanzpartner*innen sofort leert. Ansonsten bringt uns der Kellner brav ganz viele großartige vegetarische Leckereien, obwohl er eigentlich meint, der Tisch sei viel zu klein und unsere Bestellung viel zu groß. Aber wir schaffen das! Und wir müssen unsere Vorurteile über die spanische Küche, die bloß „totes Tier“ kann, doch deutlich überdenken.
Um uns für morgen noch ein wenig einzulaufen, ziehen wir erneut zum Grünzug (Parque fluvial del Río Turia) und laufen diesen nach Süden – dort stehen beeindruckende Bauwerke, deren Architektur an Meerestiere erinnert und die Oper, Kunstaustellung und Kulturforum beherbergen. Valencia kann was, so als Stadt. Zum Glück gibt es dort auch reichlich Wasser und Wind zum Abkühlen. Wir merken, warum es wichtig ist, Mückenschutz zu nutzen (Achtung: Tigermücke).

Zum Hotel ist es nun nicht mehr weit. Noch kurz wappnen, um die -10 Grad kalte Hotel-Lobby zu durchqueren und dann sind wir auch schon im Zimmer. Jetzt heißt es noch kurz mit den daheim Gebliebenen (doch noch ein Wort ohne Stern) telefonieren, duschen und 22:00 Uhr Licht aus. Wir müssen schließlich als Seniorinnen* um 9:30 Uhr früh Sichtungsrunde Latein tanzen. Wir freuen uns.




