Gedanken und Gedenken nach dem CSD 2026

Wir hatten uns als pinkballroom so darauf gefreut: Wir tanzen wieder das erste mal seit Jahren gemeinsam hinter einem Truck mit Musik von Andrea!!! Dafür hatten wir auf Initiative der Schwulenberatung Berlin eine Puschel-Choreo (aka Tanzflashmob) einstudiert, um gemeinsam deren 45-jähriges Jubiläum zu feiern.

Und: Es war ein wunderschöner Tag! Wir puschelten uns gemeinsam über die Straßen Berlins. Mit unseren pinkenen Outfits waren wir ein Hingucker, und wir haben es sogar in die 19:00-ZDF-heute-Nachrichten geschafft (für ungefähr eine Sekunde😉).

Die anderen Mitlaufenden und Zusehenden applaudierten uns. Zwischendrin wurde es sehr voll hinter dem Wagen 10. War es die tolle Musik oder unser Outfit – wer weiß…. Einige haben Flyer verteilt und wir werden bestimmt zahlreichen Anfragen wegen Cheerdancing bekommen😉 Es war toll und berührend, Teil der sehr diversen queeren Community zu sein, die auf dem CSD ihre Vielfalt ohne Angst zeigen konnte.

Das war unser Resumée bis 22:00.

Der Freude wich Schrecken. Von Stunde zu Stunde wurden die Nachrichten klarer und leider auch furchtbarer. Der Anschlag galt offensichtlich der queeren Community und er traf uns ins Mark. Wir betrauern eine tote Mutter und fühlen mit den 31 – teilweise schwer – Verletzten mit, mögen sie schnell und vollständig genesen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und allen Menschen, die von diesem schrecklichen Ereignis betroffen sind. Wir betrauern aber auch unser Gefühl der Sicherheit, das mit dem CSD Berlin verbunden war, und nun tief erschüttert ist.

Es gab und gibt verschiedene Gedenkveranstaltungen.

Es tut gut, gemeinsam zu trauern und dabei – ja – sichtbar zu sein. Andere brauchen die Gespräche im kleinen Kreis. Wir erinnern uns gemeinsam an die schönen Momente und sind trotzdem unendlich traurig. Es ist nicht leicht.

Der CSD Berlin schreibt in seinem Statement:

„Der Berliner CSD steht für Zusammenhalt, Respekt und Solidarität. Was jetzt gebraucht wird, sind Besonnenheit und die Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen.

An unserer Haltung hat sich nichts verändert: Wir lehnen jede Form von Gewalt ab. Rechte oder religiöse Ideologien verfolgen das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken. Wir benennen islamistischen Terror klar und ohne Relativierung. Ebenso klar stellen wir uns jedem Versuch entgegen, die Tat für Hass gegen Muslim*innen Menschen bestimmter Herkunft zu instrumentalisieren.

Hinter solcher Gewalt steckt der Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Das werden wir nicht zulassen. Wir bleiben laut, wir lassen uns nicht zurückdrängen. Liebe ist stärker als Hass.“

Danke.

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